macht braucht den gehorsam
wie die wand den schatten.

wer sich in sie lehnt,
fühlt sich getragen,
während etwas still und leise
das eigene vergisst.

sie trägt kein gesicht.
sie leiht sich eines.

staat.
altar.
mehrheit.
gesetz.

vier masken
für denselben hunger.

macht verspricht irrtumslosigkeit.
sie nimmt die entscheidung
und legt dafür eine ordnung hinein.

so wird schuld bequem.
so wird sicherheit
zu einer zelle
mit offenen türen.

ungehorsam beginnt
an einer unscheinbaren stelle:

ein nein,
das noch niemand hört.

dort wird es plötzlich
einsam genug für einen eigenen gedanken.
einsam genug für einen fehler.
einsam genug für jene fremde möglichkeit,
nicht recht zu haben.

freiheit ist kein ort.

freiheit ist eine innere
unbewachte tür.

sie öffnet sich,
wenn die hand
aufhört, nach einer erlaubnis
zu suchen.

und genau dort beginnt
der schwierigste gehorsam:

auch sich selbst
nicht blind zu folgen.

es gibt keine richtige

oder falsche antwort.

alles dreht sich ums
verstehen. 

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text u. bild m.w.